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Apollo Prinz  vom Grafensprung

 
   

Mit Pony und Hund zu Fuß durchs Land

 

  Zeitungsbericht vom 26.08.2009

Wissenschaftlerin wandert von Potsdam in den Schwarzwald -       

(Alles fügt sich ineinander)

Seit zwölf Wochen läuft Pia Walch-Liu mit ihrem Pony Pengpeng und dem weißen Schäferhund Prinz durch Deutschland - von Potsdam nach Loßburg bei Freudenstadt. Die Wissenschaftlerin hat beruflich eine Auszeit genommen und genießt es, «frei von allem zu sein». Zurzeit macht sie Station in Lilling bei Familie Kröppel.

LILLING - Wie kommt man auf die Idee monatelang kreuz und quer durch Deutschland zu laufen? Die 40-jährige, zierliche Frau lächelt: «Wir laufen eigentlich heim zu meinen Eltern und zur Schwester und ich bringe meiner Nichte das Pony.» Klingt praktisch, doch ganz so einfach ist die Geschichte nicht.

Pia Walch-Liu ist in der Nähe von Freudenstadt aufgewachsen, hat in Hohenheim Agrarbiologie studiert und in Pflanzenernährung promoviert. Sie hat als Wissenschaftlerin fünf Jahre in Lancaster in England und zuletzt am Max-Planck-Institut für Pflanzenphysiologie in Potsdam gearbeitet, sehr viel gearbeitet. «Ich hab nie Zeit für etwas anderes gehabt», erzählt sie im Reiterstübchen in Lilling

Aus Mitleid gekauft

Wegen eines Schicksalsschlages entschloss sie sich zu einer Auszeit. Und da passte es gerade gut, dass sie Pengpeng sowieso in den Schwarzwald zu ihrer achtjährigen Nichte Leonie bringen wollte. Das Pony hatte sie vor drei Jahren bei einer Auktion in Lancaster aus Mitleid gekauft, weil es so elend ausgeschaut hat.

Der Sammeltiertransport von England nach Deutschland hat den kleinen Apfelschimmel, ein Welsh-Mountain, allerdings ziemlich mitgenommen. Daher reifte der Gedanke in Pia Walch-Liu, die Strecke mit ihm einfach zu laufen. Sie startete schließlich am 3. Juni in Potsdam zu ihrer großen Tour quer durchs Land. «Wir laufen nicht direkt, sondern eher umständlich, weil ich Fernwanderwege nutze», erklärt sie.

Zu ihrem Schutz begleitet sie Prinz, der kanadische Schäferhund ihrer Eltern. Allerdings ist er eigentlich ein Büro- und Haushund. Daher musste sich der große, weiße Hund erst ans viele Laufen und das neue Leben gewöhnen. Fast vier Wochen hat es gedauert, bis beide richtig miteinander klar kamen. Jetzt wacht Prinz Tag und Nacht über sein Frauchen. «Als Haushund braucht er zum Schlafen ein Dach über dem Kopf», erzählt Pia Walch-Liu weiter. Deswegen schläft er entweder vor dem Feldbett, wie gerade in Lilling, oder mit im Zelt, das sie meistens für die Nacht aufbaut.

Mit etwa 30 Kilo Gepäck, 25 Kilo trägt Pengpeng in einer Fahrradtasche über dem Sattel, den Rest hat Walch-Liu im Rucksack, ziehen sie zu dritt durchs Land, zurzeit über den Frankenweg am Rande vom Landkreis Forchheim. «Wir laufen etwa 15 Kilometer täglich, mehr ist für die Tiere zu anstrengend.» Die Übernachtungen sind nicht geplant, sondern dem Zufall überlassen. Am frühen Nachmittag fragt sie in Orten nach, ob es irgendwo einen Bauern- oder Reiterhof gibt, wo sie mit ihren Tieren unterkommen kann.

In der Regel findet sich jemand, der sie gerne aufnimmt, wie jetzt eben in Lilling. Dort ist sie vor ein paar Tagen bei Familie Kröppel gelandet, weil Prinz krank war und nicht mehr weiter laufen konnte. Stefanie Kröppel hat sie mit Prinz zur Tierärztin in Forchheim gebracht und jetzt erholt er sich von seiner Erkältung. Für diese Hilfe ist sie ihrer Gastgeberin sehr dankbar.

Überhaupt ist Walch-Liu von Franken begeistert: «Die Leute hier sind sehr nett und so großzügig. Ich sag das nicht aus Schmeichelei, das ist wirklich so.» Der Weg ist für sie fast «zu einer Art Pilgerreise» geworden. Sie habe so viele «wirklich schöne Begegnungen gehabt.» Denn sie lande nur bei Leuten, die das auch wirklich wollen.

Unverkrampft

«Wenn mich jemand wegschickt, ist das auch ok», sagt sie. «Alles fügt sich ineinander, man bekommt immer genau das, was man braucht», hat sie oft erfahren. «Man muss die Dinge nur laufen lassen und unverkrampft sein.» Die 40-Jährige klingt nicht wie ein Workaholic, der sie vorher wohl war, sondern völlig entspannt -auch wenn ihre Füße von dem vielen Laufen inzwischen taub sind, verrät sie schmunzelnd.

Begeistert ist die Wissenschaftlerin auch von den Landschaften, die sie durchwandert: «Ich hätte nie gedacht, dass Deutschland so schön ist.» Das Laufen in der Natur und der Kontakt zu netten Menschen seien «einfach toll». Dennoch hat die 40-Jährige beobachtet: «Meine Tiere leiden unter der Heimatlosigkeit mehr als ich.» Jeden Abend woanders schlafen schweißt zusammen. Prinz liebt Pengpeng und umgedreht und Pia Walch-Liu hängt an den Tieren.

Spätestens Mitte Oktober will sie den Schwarzwald erreicht haben.

Maria Däumler
 

  Das Trio auf Wanderschaft
  Apollo Prinz
  da machen sich es zwei gemütlich
  kurze Rast
  total k.o.
  Prinz und Pengpeng
  Pia mit ihren beiden Begleitern
  Endlich zu Hause
     Bilder von Fr .Pia Walch-Liu

mit freundlicher Genehmigung

"Verfasser/Nürnberger Nachrichten"

 

 

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