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Wissenschaftlerin wandert von Potsdam in den Schwarzwald -
(Alles fügt sich ineinander)
Seit zwölf Wochen läuft Pia Walch-Liu mit ihrem Pony Pengpeng
und dem weißen Schäferhund Prinz durch Deutschland - von Potsdam
nach Loßburg bei Freudenstadt. Die Wissenschaftlerin hat
beruflich eine Auszeit genommen und genießt es, «frei von allem
zu sein». Zurzeit macht sie Station in Lilling bei Familie
Kröppel.
LILLING - Wie kommt man auf die Idee monatelang kreuz und quer
durch Deutschland zu laufen? Die 40-jährige, zierliche Frau
lächelt: «Wir laufen eigentlich heim zu meinen Eltern und zur
Schwester und ich bringe meiner Nichte das Pony.» Klingt
praktisch, doch ganz so einfach ist die Geschichte nicht.
Pia Walch-Liu ist in der Nähe von Freudenstadt aufgewachsen, hat
in Hohenheim Agrarbiologie studiert und in Pflanzenernährung
promoviert. Sie hat als Wissenschaftlerin fünf Jahre in
Lancaster in England und zuletzt am Max-Planck-Institut für
Pflanzenphysiologie in Potsdam gearbeitet, sehr viel gearbeitet.
«Ich hab nie Zeit für etwas anderes gehabt», erzählt sie im
Reiterstübchen in Lilling
Aus Mitleid gekauft
Wegen eines Schicksalsschlages entschloss sie sich zu einer
Auszeit. Und da passte es gerade gut, dass sie Pengpeng sowieso
in den Schwarzwald zu ihrer achtjährigen Nichte Leonie bringen
wollte. Das Pony hatte sie vor drei Jahren bei einer Auktion in
Lancaster aus Mitleid gekauft, weil es so elend ausgeschaut hat.
Der Sammeltiertransport von England nach Deutschland hat den
kleinen Apfelschimmel, ein Welsh-Mountain, allerdings ziemlich
mitgenommen. Daher reifte der Gedanke in Pia Walch-Liu, die
Strecke mit ihm einfach zu laufen. Sie startete schließlich am
3. Juni in Potsdam zu ihrer großen Tour quer durchs Land. «Wir
laufen nicht direkt, sondern eher umständlich, weil ich
Fernwanderwege nutze», erklärt sie.
Zu ihrem Schutz begleitet sie Prinz, der kanadische Schäferhund
ihrer Eltern. Allerdings ist er eigentlich ein Büro- und
Haushund. Daher musste sich der große, weiße Hund erst ans viele
Laufen und das neue Leben gewöhnen. Fast vier Wochen hat es
gedauert, bis beide richtig miteinander klar kamen. Jetzt wacht
Prinz Tag und Nacht über sein Frauchen. «Als Haushund braucht er
zum Schlafen ein Dach über dem Kopf», erzählt Pia Walch-Liu
weiter. Deswegen schläft er entweder vor dem Feldbett, wie
gerade in Lilling, oder mit im Zelt, das sie meistens für die
Nacht aufbaut.
Mit etwa 30 Kilo Gepäck, 25 Kilo trägt Pengpeng in einer
Fahrradtasche über dem Sattel, den Rest hat Walch-Liu im
Rucksack, ziehen sie zu dritt durchs Land, zurzeit über den
Frankenweg am Rande vom Landkreis Forchheim. «Wir laufen etwa 15
Kilometer täglich, mehr ist für die Tiere zu anstrengend.» Die
Übernachtungen sind nicht geplant, sondern dem Zufall
überlassen. Am frühen Nachmittag fragt sie in Orten nach, ob es
irgendwo einen Bauern- oder Reiterhof gibt, wo sie mit ihren
Tieren unterkommen kann.
In
der Regel findet sich jemand, der sie gerne aufnimmt, wie jetzt
eben in Lilling. Dort ist sie vor ein paar Tagen bei Familie
Kröppel gelandet, weil Prinz krank war und nicht mehr weiter
laufen konnte. Stefanie Kröppel hat sie mit Prinz zur Tierärztin
in Forchheim gebracht und jetzt erholt er sich von seiner
Erkältung. Für diese Hilfe ist sie ihrer Gastgeberin sehr
dankbar.
Überhaupt ist Walch-Liu von Franken begeistert: «Die Leute hier
sind sehr nett und so großzügig. Ich sag das nicht aus
Schmeichelei, das ist wirklich so.» Der Weg ist für sie fast «zu
einer Art Pilgerreise» geworden. Sie habe so viele «wirklich
schöne Begegnungen gehabt.» Denn sie lande nur bei Leuten, die
das auch wirklich wollen.
Unverkrampft
«Wenn mich jemand wegschickt, ist das auch ok», sagt sie. «Alles
fügt sich ineinander, man bekommt immer genau das, was man
braucht», hat sie oft erfahren. «Man muss die Dinge nur laufen
lassen und unverkrampft sein.» Die 40-Jährige klingt nicht wie
ein Workaholic, der sie vorher wohl war, sondern völlig
entspannt -auch wenn ihre Füße von dem vielen Laufen inzwischen
taub sind, verrät sie schmunzelnd.
Begeistert ist die Wissenschaftlerin auch von den Landschaften,
die sie durchwandert: «Ich hätte nie gedacht, dass Deutschland
so schön ist.» Das Laufen in der Natur und der Kontakt zu netten
Menschen seien «einfach toll». Dennoch hat die 40-Jährige
beobachtet: «Meine Tiere leiden unter der Heimatlosigkeit mehr
als ich.» Jeden Abend woanders schlafen schweißt zusammen. Prinz
liebt Pengpeng und umgedreht und Pia Walch-Liu hängt an den
Tieren.
Spätestens Mitte Oktober will sie den Schwarzwald erreicht
haben.
Maria Däumler |
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