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Im Internet haben wir
einen tollen Bericht über die Geschichte des weißen Schäferhundes gefunden, den
wir mit freundlicher Zustimmung des Verfasser hier veröffentlichen wollen:
Einleitung:
Damit es nicht zu viel
wird werde ich den Weißen Schäferhund in möglichst knappen Teilen beschreiben,
wobei die Geschichte dieses Hundes und sein Verschwinden aus Europa (bis auf
eine Ausnahme) den größten Teil einnehmen wird.
In einem weiteren Teil
werde ich kurz etwas zu seiner „Wiedergeburt“ in Europa sagen und danach werde
ich versuchen, den Weißen Schäferhund kurz zu beschreiben, wobei das
Hauptaugenmerk auf seinem Wesen und seiner Veranlagung liegen wird. Achja, dann
ist da ja auch noch die Sache mit der Anerkennung des Weißen Schäferhundes.
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1. Teil: Geschichte des Weißen Schäferhundes
Weiße Schäferhunde
sind keine Modeerscheinung neuerer Zeit; es gab sie schon seit altersher! Max
von Stephanitz, der „Vater des Deutschen Schäferhundes“, hat einmal sehr
treffend geschrieben: „Ein guter Hund kann keine schlechte Farbe haben“. Das
muss er im Jahre 1933 aber irgendwie vergessen haben. Aber dazu später an
anderer Stelle mehr.
Aus zahlreichen
Artikeln in den Medien ist der breiten Öffentlichkeit zwar bekannt, dass dieser
Hund seinen Ursprung mit dem Deutschen Schäferhund teilt, aber nur wenige
wissen, warum seine Nachfahren weiß sind.
Im ersten Jahrhundert
vor Christus hat der römische Geschichtsschreiber Marcus Terentinus Varro von
den Hirtenhunden berichtet, die zu seiner Zeit verwendet wurden. Interessant
dabei ist, dass diese Hunde immer weiß waren.
Die Schäfer, schreibt
Varro, bevorzugten weiße Hunde, weil diese leichter von Wölfen zu unterscheiden
waren. Schon damals konnte man zwei deutlich verschiedene Typen von Hunden
unterscheiden, die zur Arbeit an den Herden eingesetzt wurden:
Große Hunde zum Schutz
der Herde. Sie wogen mehr als 50 kg und schützten die Herde vor Raubtieren.
Hunde von kleinerem
Körperbau, die sogenannten Treib- oder Hütehunde mit einem Gewicht von nicht
mehr als 25 kg. Diese beweglicheren Hunde dienten dazu, die Herden von einem
Weidegrund zum nächsten zu treiben.
Die erstgenannten
Herdenschutzhunde, hierzu gehören zum Beispiel in Frankreich der Pyrenäen
Berghund, in Italien der Pastore Maremmano (auch Abruzzen-Schäferhund genannt),
in Ungarn der Kuvasz oder in Polen der Owczarek Podhalski (auch
Tatra-Schäferhund genannt). Diese Hunde sind alle weiß.
Zwischen 1871 und 1899
wurde in Deutschland noch ein weiterer, langhaariger Hund verbreitet als
Schäferhund eingesetzt; der Schafpudel. Dieser ebenfalls weiße Hund hatte eine
enorm starke Hinterhand und teilweise aufrecht stehende Ohren.
Infolge strenger
Selektion hatten sich im Laufe der Zeit wesensmäßig einheitlich veranlagte,
Herdengebrauchshunde herauskristallisiert, die durch ihre ruhige und auch
zuverlässige Arbeit den Beschauer stets fasziniert haben.
So hatte anlässlich
eines Manövers, einen Befehl abwartend, auch Rittmeister Max von Stephanitz
Gelegenheit, von einem Hügel aus einen hütenden Schäfer mit seinem Hund zu
beobachten.
Fortan ließ es den
Rittmeister nicht mehr los, ein solches Tier zu besitzen, und wie man weiß,
wurde dieser Wunsch Realität.
Der „Vater des
Deutschen Schäferhundes“ war derjenige (auch wenn er nicht der Erste war), der
der Entwicklung zur Zucht der verschiedenen Schäferhundtypen den entscheidenden
Anstoß gab.
Auch ist es kein
Zufall, dass sich alle bekannten Schäferhundzüchter jedes Jahr in Karlsruhe zu
einer der größten Hundeausstellungen treffen.
Denn dort ist es
gewesen, wo Max von Stephanitz am 22. April 1899 den „Verein für Schäferhunde“
(SV) gründete. Als Modell zur Schaffung der neuen Rasse diente ihm der in seinen
Augen nahezu ideale Rüde Hektor Linksrhein, den er dreijährig von dem
Frankfurter Züchter Sparwasser erwarb und in Horand von Grafrath
umtaufte. Mit der ersten Eintragung führte er später das Zuchtbuch der Deutschen
Schäferhunde an, und darf somit als Stammvater seiner Rasse bezeichnet werden.
Ganz gleich, welcher Linie ein Deutscher Schäferhund heute entstammt. Der von
Max von Stephanitz und seinem Freund Meyer gegründete Verein registrierte in
den Folgejahren mehrere tausend Hunde, die fast alle auf die ein oder andere
Weise mit Horand verwandt waren.
Wenn man die Vorfahren
des Horand von Grafrath näher untersucht, wird man feststellen,
dass Weiß beim Schäferhund eine ganz natürliche Farbe war.
Diesbezüglich gibt der
englische Richter und Autor Horowitz wertvolle Hinweise in seinem 1923
verfassten Buch The Alsation (Der Deutsche Schäferhund). Darin berichtet
er, dass im Jahre 1882 zwei weiße Hunde an der Schäferhundausstellung zu
Hannover teilnahmen, wovon der eine, Greif, 1887 erneut in Hannover
ausgestellt wurde. 1888 wurde auf der Ausstellung in Hamburg ein weiterer weißer
Hund, Greifa, vorgestellt. Auf der Ausstellung 1889 in Kassel, Greif
II, ebenfalls ein weißer Hund. Diese Hunde standen im Besitz des Barons von
Knigge. Im Buch „Der Deutsche Schäferhund“ – Seine Geschichte,
Entwicklung und Genetik - von M. B. Willis, findet man die gleiche Information
über Greif und Greifa.
Horand von Grafrath,
der als Stammvater fast aller modernen Deutschen Schäferhunde gilt, ist ein
Nachfahre von Greif. Um genau zu sein, sein Enkel. Die weiße Fellfarbe
ist ganz offensichtlich genetisch in der Rasse fixiert. Auch waren einige
Nachfahren von Horand weiß, beziehungsweise trugen sie zumindest Gene für
weiße Fellfärbung in sich.
Mithin ist der Weiße
Schäferhund keine genetische Mutation oder irgendeine Anomalie, denn schon die
Vorfahren des Deutschen Schäferhundes waren teilweise weiß. Auch ist es keine
Form des Albinismus, denn Augen und Nasenspiegel des Weißen Schäferhundes weisen
eine ganz normale Pigmentierung auf.
Nicht nur
geschichtlich und politisch sollte das Jahr 1933 ein bedeutendes Jahr werden. Es
sollte auch das „AUS“ für den Weißen Schäferhund werden, wenn sich nicht Züchter
in den USA und Kanada der Zucht der Weißen Schäferhunde angenommen hätten und
damit den Fortbestand gesichert hätten. Bis heute lässt sich nicht
nachvollziehen, was Max von Stephanitz, dem Gründer der Rasse, dazu bewogen
haben mag, der Entscheidung des Vereins für Deutsche Schäferhunde zuzustimmen,
den Farbschlag Weiß aus dem Standard des Deutschen Schäferhundes zu streichen
und seit dem Weiße Schäferhunde nicht mehr zur Zucht zuzulassen.
Aufgrund dieser
Änderung verschwanden die Weißen Schäferhunde fast vollständig aus Deutschland
und Europa. Mit Ausnahme von England fand man in den 60er Jahren nicht einen
Weißen Schäferhund mehr in Europa. Obwohl seit Urzeiten weiße Hunde zum Hüten
und Bewachen von Herden eingesetzt wurden und es etliche Rassen gibt, in denen
die Farbvariante Weiß weiterhin existiert und die keine genetischen Probleme
haben.
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2. Teil: Die „Wiedergeburt“ des Weißen Schäferhundes in Europa
Nachdem im Jahre 1933
das europaweite „AUS“ für den Weißen Schäferhund eingeläutet wurde, war es
hierzulande lange still um den blütenweißen Hund mit den dunklen, pigmentierten
Augen, Nasen und Lefzen, die seinem Gesicht ein so besonders ausdrucksvolles
Aussehen verleihen.
Hätten sich nicht
Züchter in den USA und in Kanada seiner angenommen und ihn als White German
Shepherd Dog (Weißer Deutscher Schäferhund) weiter gezüchtet, wer weiß, wie es
sonst um den Fortbestand der Rasse bestellt gewesen wäre.
Immerhin mussten fast
40 Jahre vergehen, bis der Weiße Schäferhund den Weg zurück nach Europa fand (
1970), wo man in der Schweiz 1972 mit der Reinzucht der Rasse begann.
1978 fanden
schließlich die ersten Weißen Schäferhunde zurück in ihre Urheimat Deutschland,
wo die organisierte Reinzucht 1982 ihren Anfang nahm.
Obwohl er ursprünglich
aus Deutschland stammte, war der Weiße Schäferhund bis in die 1980er Jahre doch
beinahe ganz aus seinem Heimatland verschwunden. Die Politik des S.V., weiße
Schäferhunde nach Möglichkeit vollständig auszusondern, hatte Erfolg gezeigt.
Dann aber fanden sich
einige Züchter, mit dem Wunsch, die verloren gegangenen weißen Schäferhunde
wieder ausfindig zu machen.
Einer der Pioniere der
Rasse war Herr Martin Faustmann, der 1982 die erste deutsche
Interessengemeinschaft für die Rasse, den WSV (Weißer Schäferhunde-Verein Kaarst
1982) e. V. gründete. Herr Faustmann erwarb seinen ersten Weißen Schäferhund in
der Schweiz aus dem Zwinger der Familie Kron. Dieser Rüde wurde später unter dem
Namen „Champion von Kron“ bekannt. Ebenfalls von Familie Kron kaufte er kurze
Zeit später die Hündin „Rani von Finn“, die ursprünglich aus Connecticut/USA
stammte.
Herr Faustmann nannte
seinen Zwinger „von Ronanke“, sein erster Wurf aus den erwähnten Elterntieren
fiel im Jahr 1981.
Im Jahr 1983
importierte er für die befreundete Züchterfamilie Walter Gembus drei Junghunde
aus den USA: „Sherman`s Anka“, „Sherman`sAstor“ und „Sherman`s Angie“ (echt
süüüüße Namen finde ich), sowie eine Hündin aus kanadischer Zucht, „Hoof Print
Bloody“. Für sich selbst erwarb Herr Faustmann in den USA „Sherman`s Wes Greif
(der Name Greif kommt mir doch irgendwie bekannt vor hier,....lachgrins) und „Sherman`s
Gail Diana“.
Die Tochter der
Familie Gembus, Erika Meinert, unternahm im Sommer 1983 eine Reise zum Zwinger „Hoof
Print“ nach Kanada und erwarb einige Junghunde, darunter Stammeltern für ihre
Zucht in Deutschland. An dieser Stelle ist außerdem Herr Italo Drube zu nennen,
der einen Rüden aus dem „Von-Finn-Kennel“, USA, importierte, den später in
Europa recht bekannten „Falco von Finn“.
Wenn man die
Ahnentafel der aus den USA oder Kanada importierten weißen Schäferhunde
verfolgt, stellt man fest, dass alle diese Hunde ursprünglich aus den
allerbesten Linien dunkelfarbiger Deutscher Schäferhunde stammten, wie zum
Beispiel der Linie „Vom Osnabrücker Land“.
Die Familie Gembus und
Meinert riefen 1984 die Weiße Schäferhunde Union ins Leben und ermöglichten die
Wiedereinführung der Rasse nach Deutschland sowie deren planmäßige Zucht. Erika
Meinert hat mit ihrem Zuchtzwinger „Vom Wolfsgehege“ viel zur Popularität dieses
Hundes in Europa beigetragen. Sie war es auch, die die ersten Tiere als
Grundlage einer neuen Zucht nach Frankreich verkaufte.
Leider gibt es heute
in Deutschland noch keine einheitliche Linie zur Zucht und Zuchtorganisation, es
bestehen mehrere Verbände und Vereine nebeneinander. Die meisten von ihnen legen
jedoch ihre Arbeit ebenfalls den in der Schweiz maßgeblichen Rassestandard
zugrunde und unterziehen ihre Hunde sowohl einer Wesensprüfung als auch einer
Röntgenuntersuchung auf HD (obwohl die Weißen Schäferhunde aufgrund Selektion
dazu weniger anfällig sind).
Es ist zu hoffen, dass
die Bemühungen um eine Vereinheitlichung auf nationaler Ebene (z. B. Führung
eines gemeinsamen Zuchtbuches) schon bald Erfolg zeigen, sodass auch in
Deutschland eine Anerkennung durch den VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen)
als F.C.I.-Körperschaft nichts mehr im Wege stünde.
Die Zuchtbuchleiterin
des 1. WACSR e. V. Einheit, Frau Birgit Stoll, geht nach ihr vorliegenden Zahlen
und Hochrechnungen davon aus, dass in Deutschland jährlich etwa 1.000 Weiße
Schäferhundwelpen geboren werden und dass die Gesamtzahl, der 1981 im Lande
gezüchteten Hunde etwa 20.000 beträgt - eine Zahl, die wesentlich zu hoch ist,
als dass man sie von offizieller Seite weiter ignorieren könnte und sollte!
Trotz des Mangels an
offiziellem Zahlenmaterial sieht es inzwischen so aus, dass ausgerechnet
Deutschland, das immer noch eine offizielle Anerkennung der Rasse verweigert,
die größte Population von Weißen Schäferhunden in Europa lebt!
Die groß gewordene
Gemeinde von Züchtern und Liebhabern des Weißen Schäferhundes in Deutschland
(ich bin nur einer davon) würde es sehr begrüßen, wenn der VDH sich dazu
entschließen könnte, dem Beispiel der Schweiz, Österreichs, der Niederlande und
Dänemark zu folgen und ihre Hunde endlich in seine Reihe aufnähme.
Da der Weiße
Schäferhund in Deutschland nicht zu offiziellen Rasseausstellungen zugelassen
ist, organisieren die verschiedenen Interessenverbände ihre eigenen
Ausstellungen, um Vergleichmöglichkeiten für ihre Tiere zu haben. Auch
Ausstellungen freier Rassehundevereine und ausländische Ausstellungen für Weiße
Schäferhunde in den Nachbarländern werden besucht.
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3. Teil: Wesen und Veranlagung des Weißen Schäferhundes
Nicht nur sein
blendendes Äußeres wirkt so, als könnte der Weiße glatt einem Fantasy-Roman
entsprungen sein, in dem sie zwischen Lichtgestalten wie Einhörnern und Elfen
durchaus gut platziert wären. Denn die äußerst empfindsame und intelligente
Rasse besticht durch eine regelrechte Schönheit ihrer Seele.
Eine ganz besondere
ansprechende Eigenschaft des Weißen Schäferhundes ist sein Charakter. Man muss
sich aber darüber im Klaren sein, dass ein Weißer Schäferhund nur dann seine
ganze Persönlichkeit und sein gesamtes Potenzial entfalten kann, wenn ihm eine
angemessene Erziehung und korrekte Sozialisation zuteil werden. Als
ausgesprochen gutmütiger und trotzdem für seinen Herrn sehr zuverlässiger
Haushund ist er ein idealer Familienhund, der auch die oft robuste Umgangsweise
von Kindern lange toleriert. Dabei sollte sich von selbst verstehen, dass seine
hohe Reizschwelle und außerordentliche Nervenstärke niemals ausgenutzt werden
darf. Da der Weiße Schäferhund ein sehr ausgeglichener Hund ist, liebt er es,
bei seinen Menschen zu sein. Er blüht nur dann auf, wenn er in der Nähe sein
kann und erträgt Einsamkeit nur schlecht. Wenn er den ganzen Tag alleine bleiben
soll, wird er sich sehr verlassen und unglücklich fühlen.
Bei richtiger
Erziehung wird der Weiße Schäferhund ein aufrichtiges, wachsames und liebevolles
Familienmitglied sein, der zwar gerne im Mittelpunkt steht, seinem Herrn aber
meist regelrecht zu Füßen liegt und ihm seine Zuneigung auch so oft wie möglich
zeigt. Fremden Personen gegenüber verhält er sich zunächst scheu, schnelle
Freundschaften schließt er in der Regel nicht. Doch wer sein Herz erobert hat,
der hat einen Freund fürs Leben gewonnen.
Weiße Schäferhunde
sind sehr ruhige, ja beinahe schweigsame Hunde, die Bellen nur als letztes
Mittel einsetzen, um sich Gehör zu verschaffen. Die Verständigung läuft bei
ihnen über eindrucksvolle Mimik und beredte Gesten viel subtiler ab.
Das Wesen des Weißen
Schäferhundes wird oft als sanft und anpassungsfähig beschrieben. Das macht ihn
leicht erziehbar, verbietet aber jegliche Brutalität in der Ausbildung. Dieser
durchaus sehr sensible Hund muss mit viel Feingefühl und Liebe erzogen werden,
was natürlich weder Konsequenz noch Bestimmtheit ausschließen darf. Der
Ausbilder muss immer schrittweise vorgehen und dem Hund Zeit lassen.
Der Weiße Schäferhund
ist sehr lernwillig und kann in den verschiedensten Disziplinen brillieren.
Seine Intelligenz ist oftmals überraschend. Er ist wirklich fähig, alles zu
verstehen. Die oft gebrauchte Beschreibung „es fehlt nur noch, dass er spricht“,
sagt eigentlich alles über ihn. Ein Nebeneffekt dieser hohen Intelligenz ist
aber auch, dass er Schwächen seines Besitzers nur zu gut durchschaut. Er weiß
ganz genau, wie weit er gehen kann, bis er eine Bestrafung zu erwarten hat. Und
sollte es wirklich einmal so weit kommen, fällt er umgehend in sein
Welpenverhalten zurück und wimmert ganz herzzerreißend.
Von seiner Veranlagung
her ist der Weiße Schäferhund gesellig und zeigt keine unnützen Aggressionen. Er
kann nicht nur mit seinesgleichen, sondern auch mit Katzen, Kaninchen, Frettchen
oder anderen Haustieren friedlich und in Harmonie zusammenleben.
Seine physischen und
psychischen Veranlagungen machen aus dem Weißen Schäferhund einen
bemerkenswerten Gebrauchshund. Wie andere Schäferhundrassen ist er vielseitig
begabt und kann sowohl ein Begleithund als auch ein sehr respektabler Wachhund,
ein unersetzlicher Führer für einen blinden Menschen oder ein wertvoller Helfer
bei der Suche nach Verschütteten in Lawinen oder Gebäudetrümmern sein. Es ist zu
berücksichtigen, dass die anfängliche Zuchtauswahl in Europa sich hauptsächlich
an körperliche Merkmale orientierte und es einige Jahre dauerte, bis man Hunde
erhielt, die sich besonders zur Ausbildung für eine ganz spezielle Aufgabe
eignen.
Sorgfältige Selektion
auf Wesensmerkmale stellt m. E. eine absolute Notwendigkeit zum Qualitätserhalt
einer Rasse dar. Ganz gleich, wie sein Verwendungszweck auch aussehen mag, das
Wesen eines Hundes muss stabil sein, damit er der Arbeit oder auch dem
alltäglichen Stress gewachsen ist. Es ist also außerordentlich wichtig, gute
„Gebrauchshunde-Linien“ zu schaffen. Die Erfahrung hat die Notwendigkeit einer
darauf gerichteten Zuchtauswahl immer wieder bestätigt, und zwar für alle
Gebrauchshunderassen, wie zum Beispiel Deutsche oder Belgische Schäferhunde. Bei
einem solchen Zuchtverständnis wird dem Wesen mehr Bedeutung beigemessen als
einem ästhetischen äußeren Erscheinungsbild. Gleichzeitig wird natürlich darauf
geachtet, dass der Hund weiterhin dem Rassestandard entspricht. Auf diese Art
und Weise sollen nicht etwa besonders aggressive Hunde herausgezüchtet werden,
sondern solche, die im Falle einer Bedrohung oder eines Angriffs richtig
reagieren. Ein gewisser Grad an Schutztrieb mag zwar mitunter erschreckend
wirken, ist aber, wenn er in die richtigen Bahnen gelenkt wird und einem
stabilen Wesen entstammt, in Wirklichkeit für den Hund lebensnotwendig, damit er
sein Territorium und sein Rudel verteidigen kann. Auf diese Eigenschaft sollte
bei der Zuchtauswahl in den Gebrauchshundelinien der Schäferhundrassen künftig
noch mehr Wert gelegt werden, als das heute der Fall ist, besonders für den
Erhalt guter Schutzhunde ist dies wichtig. Eine negative Wesenseigenschaft,
nämlich die Angst, sollte in der Zucht von Gebrauchshunden, und anderen Hunden,
so stark wie möglich unterdrückt werden, selbst wenn es sich hierbei nur um die
Äußerung eines natürlichen Verhaltens handelt. Angst macht den Hund
unberechenbar, weniger leistungsfähig und deshalb schwieriger zu handhaben.
Die Zuchtauswahl darf
sich aber keineswegs nur auf die Schaffung guter Schutzhunde beschränken,
sondern muss auch gute Suchhunde, Rettungshunde, Blinden- oder
Behindertenbegleithunde zum Ziel haben.
Anmerken darf ich an
dieser Stelle einmal, dass ich bezüglich der Schutzhunde eine sehr eigene,
möglicherweise auch eigenwillige Meinung vertrete. Danach gehört meines
Erachtens ein ausgebildeter Schutzhund nur in wirklich erfahrene Hände und nicht
in die Hände von „Jedermann“.
Wenn ein Junghund
erworben wird, um aus ihm einen Blinden- oder Rettungshund zu machen, versucht
man, durch Ausbildung Aggressivität zu unterdrücken, dabei aber alle anderen
Eigenschaften eines guten Gebrauchshundes beizuhalten: Lernfähigkeit,
Nervenstärke, Ausdauer, Mut, Kraft und ausgeprägten Geruchssinn.
Wie wir schon gesehen
haben, besitzt der Weiße Schäferhund ein ernstzunehmendes Potenzial, um mit
seinem Besitzer zusammen zu arbeiten. Voraussetzung ist natürlich immer die
umsichtige, zielgerichtete und gewaltlose Erziehung eines sorgfältig
ausgesuchten Welpen. An dieser Stelle erlaube ich mir einmal zu sagen: Leider
oder zum Glück, habe ich mir meinen Weißen Schäferhund namens Moritz damals vor
zwei Jahren nicht aussuchen können.
Wir, meine Freundin
und ich, hatten damals schon einen Hund und besuchten eine Hundeschule. Der
Ausbilder „züchtete“ Weiße Schäferhunde. Er hatte plötzlich mehrere Welpen und
wurde sie irgendwie nicht los. Sein Problem war, er hielt die Hunde allesamt in
einem Zwinger. Die Welpen jaulten und bellten den ganzen Tag. Darüber
beschwerten sich die Nachbarn. Die Welpen haben sich unter dem Zwinger
hindurchgegraben, wobei sie sich auch teilweise verletzten, und liefen mehrmals
fort. Sie wurden geschlagen. Zwei Teilnehmer, der Hundeschule nahmen ihm zwei
Welpen ab. Darunter wir, obwohl ich ja eigentlich überhaupt keinen zweiten Hund
haben wollte. Moritz kam mit drei Monaten zu uns und er war sichtlich
erleichtert und lebte sich sehr schnell ein. Er stellte anfangs sehr viel an und
konnte es irgendwie gar nicht verstehen, dass er dafür nicht geschlagen wurde.
Es war schon eine Überwindung, wenn er den Wohnzimmerschrank annagte oder das
Polster der Couch auseinander genommen hatte, ihn nicht zu schlagen und ihn
einfach links liegen zu lassen. Das war Bestrafung genug für ihn. Er hat sehr
schnell begriffen, dass das nichts bringt und brachte uns sehr schnell Vertrauen
entgegen. Mich hat das natürlich alles maßlos geärgert und ich fing an, mich
einmal mit dem Wesen eines Hundes zu beschäftigen. Ich habe sehr viel gelesen
und gefragt. Ich habe meinen Hund beobachtet und gelernt, mich in den Hund
hineinzuversetzen. Erst als mir das gelang, habe ich erkennen können, was der
Hund „denkt“ und was er will und vor allem, welche Fähigkeiten ein Hund besitzen
kann, und was man daraus möglicherweise machen kann.
Ich hörte mehr durch
Zufall, dass es Rettungshundestaffeln gibt, die verschüttete und vermisste
Menschen sucht. Als ich mich damit mehr und mehr befasste und je mehr
Informationen ich darüber erhielt, dachte ich, das entspricht genau dem Wesen
und der Veranlagung deines Hundes. Dazu kam, dass sich eine Rettungshundestaffel
einmal bei uns als Polizei vorstellte und ich im Nachgang einmal einen Einblick
in deren Arbeit erhielt. Von nun an war ich dieser Arbeit erlegen, obwohl sie
sehr viel Zeit, persönliches Engagement und mit eigenem finanziellem Aufwand
verbunden ist, da die Rettungshundestaffeln nicht (mehr) öffentlich gefördert
werden.
Über glückliche
Umstände gelangte ich schließlich zur BRH Rettungshundestaffel Westerwald e.V.
und wurde dort nach kurzer Zeit mit meinem Moritz sehr herzlich aufgenommen.
Bereits nach kurzer Zeit konnte ich selbst erkennen, dass das genau das Richtige
für Moritz war. Schon nach vier Wochen, bei zweimaligen Übungen pro Woche,
konnte Moritz einfache Verstecke finden und sogar verbellen. Ihm (mir natürlich
auch) macht es sichtlich Spaß und ist seinem Wesen und seiner Veranlagung
entsprechend.
In Frankreich z. B.
haben heute schon einige Katastrophenschutzverbände den Weißen Schäferhund in
ihren Dienst gestellt. In der Schweiz gelang es dem Weißen Schäferhund „Yukon“,
einen verschütteten Davoser Snowboarder nach 20 Minuten lebend aus einer Lawine
zu bergen.
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4. und letzter Teil: Die Sache mit der Anerkennung des Weißen Schäferhundes
Seit Anfang der 80er
Jahre gibt es den Weißen Schäferhund, eine der ältesten Hunderassen der Welt,
wieder in Deutschland. Trotz seiner außerordentlichen Beliebtheit und
berückenden Ästhetik hat es der windschnittige Wirbelwind hierzulande aber alles
andere als leicht, ernst genommen zu werden. In Österreich, Holland, Dänemark
Tschechien, England und der Schweiz wurden zwar schon Teilerfolge errungen, als
der Weiße Schäferhund zumindest auf nationaler Ebene in die jeweilige FCI (Fédération
Cynologique International)-Verbandskörperschaften aufgenommen wurde.
Eine internationale
Anerkennung jedoch fehlt bislang noch. Deshalb laufen seit 1981 engagierte
Bemühungen der Züchter, die Rasse der Weißen Schäferhunde zu einer gebührenden
Anerkennung durch den internationalen Dachverband FCI, dem größten
Hundezucht-Dachverband der Welt, zu führen. Sogar ein eigenes „Komitee zur
Anerkennung der Weißen Schäferhunde“, an dem unter anderem Vereine wie die WSÖ
(Weiße
Schäferhundfreunde Österreich), GWS (Gesellschaft Weiße Schäferhunde Schweiz)
und 1. WACSR e.V. Einheit (als deutscher Verein) beteiligt sind, wurde dafür
gebildet.
Der früheren Leiterin
des Komitees, Birgit Stoll, ist es zu verdanken, dass die für eine
FCI-Anerkennung notwendigen acht unabhängigen Blutlinien ermittelt wurden und
die Schweizerische Kynologische Gesellschaft im Oktober 2001 den Antrag stellen
konnte. Und was lange währt, scheint langsam auch endlich gut zu werden. Zwar
steht die Entscheidung der FCI noch aus, aber die Anzeichen für einen positiven
Entscheid des Antrages verdichten sich.
Falls der Weiße
Schäferhund in die Riege der von der FCI international anerkannten Rassen
aufgenommen wird, wird die Schweiz offiziell standardführendes Land für diese
Rasse sein.
Die Anerkennung würde
in Deutschland auch der aus der „Verbannungs-Not“ heraus geborenen Namensgebung
„Amerikanisch-Canadischer Weißer Schäferhund“ – eigentlich schon immer ein
Absurdum, da die Wiege des heutigen A.C. Weißen Schäferhundes ja in Deutschland
stand – ein Ende setzen. Die Rasse wird dann auch in Deutschland kurz und bündig
„Weißer Schäferhund“ heißen. Auch der Weg zu einer VDH-Mitgliedschaft wäre dann
zumindest denkbar.
Es bleibt nur zu
hoffen, dass zahlreiche Gönner und Freunde des Weißen Schäferhundes dieses
Vorhaben tatkräftig unterstützen werden und dass das in der BVWS-Satzung
festgeschriebenen Ziel der internationalen Rasseanerkennung in absehbarer
Zukunft realisiert werden kann.
Der Weiße Schäferhund
wurde vom FCI unter der Nr. 347 als Berger Blanc Suisse (Weißer Schweizer
Schäferhund) aufgenommen.
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Vereine:
Bundesverein für Weiße
Schäferhunde (BVWS)
Peter von Döllen
Schulstr. 127, 27726
Worpswede
www.bvws.de
1.WS-Einheit
Brigitte Toll
Martinstr. 42, 40223
Düsseldorf
www.1WS-Einheit.de
Gesellschaft Weiße
Schäferhunde Schweiz (GWS)
Gabi Frei-Dora
Berghaldenstr. 39,
CH-8330 Pfäffikon ZH
www.weisse-schaeferhunde.ch
Weiße
Schäferhundfreunde Österreichs (WSÖ)
Pia Modl
Kornmühle,
A-4904 Atzbach
www.weisse-schaefer.at
Literaturnachweis:
Horowitz
“The Alsation”
Michoux/Jumentier/Gérard
„Weißer Schäferhund heute“
Partner Hund, Ausgabe
Nr. 4, April 2002
Nachwort:
Ich hoffe einmal, dass
ich hier für alle Anhänger und Interessierte des Weißen Schäferhundes einen
kleinen, zusammenfassenden Beitrag leisten konnte, um diese Rasse allen ein
wenig näher bringen zu können, und möglicherweise auch beim „Nurleser“ ein wenig
Interesse für diese Rasse wecken konnte. Dabei konnte ich mich naturgemäß hier
nur auf das Wesentliche beschränken, was natürlich nur ein kleiner Ausschnitt
sein kann. In der Hoffnung, dass es beim Lesen nie langweilig wurde, habe ich
mein Ziel hoffentlich erreicht.
Der Bericht wurde
erstellt von Herrn Werner Weyers, welchem ich auf diesem Wege Danken möchte.
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